Ob er wüsste – eine Kurzgeschichte

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Eine alte Stimme fragte sie, ob man sich setzen dürfe.

Sie drehte sich um. „Natürlich, selbstverständlich, “ sie machte einige Ähms und nestelte ein wenig an ihrem Mantel umher, als mache das den erbetenen Sitzplatz bequemer, denn er – er war der Vorstandsvorsitzende, und natürlich, selbstverständlich durfte er sich setzen, sie war nervös.

Der Alte stand noch immer auf dem selben Fleck direkt neben der kalten Metallbank und meinte, sie solle weiterrauchen und einfach sitzen. Die Hanswurste in der Firma gingen ihm schon lange auf die Nerven – der Stahl der Bank hielt still unter der dunklen Zwirnhose, als der Mann sich setzte.
Er machte eine vage Geste in Richtung des Gebäudes, „und das ganze Getue dadrin. Nein.“ Das sei überflüssig, brummte er noch und schwieg dann.

Sie saßen und sie rauchte.

Hinter ihnen wurde das Gebäude in orangenes Dämmerlicht getaucht. Die Buchsbäume standen stramm an der Auffahrt und verkündeten Symmetrie. Fast alle Stellplätze des Firmenparkplatzes waren nun leer, seit die teuren Limousinen mit ihren Besitzern in die Garagen unten im Tal gefahren waren, denn es war Freitagabend.
Anna, im Mantel, hielt sich an ihrer Zigarette fest. Sie wusste nicht was sie sagen sollte, wollte es sich nicht verscherzen. Sie hatte den Vorstandsvorsitzenden noch nie persönlich getroffen, er war sehr, sehr reich und auch alt und Anna rauchte und neben ihr war der Alte und blickte rüber zur Sonne.

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