Hugh Hefner war kein guter Mensch.

Laut den Berichten seiner Bewohner funktionierte Hefners Playboy Mansion ähnlich einem Internierungslager. Hefner übte totalitäre Kontrolle über seine “Freundinnen” aus:

Sie hatten eine Ausgangssperre ab 21 Uhr, und wann immer sie sie verletzten, brach Hefner in Tränen aus und sagte ihnen, dass sie ausziehen sollten. Er führte eine eiserne Reihe von bizarren Regeln ein, einschließlich der Verpflichtung jedes Mädchens, zueinander passende Pyjamas zu tragen. (“Wenn du etwas falsch machst, kriegst du eine E‐Mail. Es gibt einen strengen Verhaltenskodex.”) Er “schuf ständig Drama und Machtkämpfe unter seinen Freundinnen, indem er seine lang gehegten Ansichten oder seine Haushaltsrichtlinien zufällig änderte, um einen von ihnen gegenüber dem Rest zu bevorzugen.” Er würde gezielt Mädchen herabwürdigen (“Du siehst alt aus, steif und billig”), redete sie klein und “brachte sie regelmäßig zum Weinen”. Er drängte den Mädchen Quaaludes auf und bezeichnete die Drogen als “Schenkelöffner”. Laut Holly Madison, die Jahre mit Hefner zusammen lebte, war er manipulativ, kalt und totalitär. Er weigerte sich, Kondome zu benutzen oder auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet zu werden, und verlangte zu regelmäßigen Zeiten deprimierenden Gruppensex. Jede Woche hatten die Mädchen eine festgelegte Zeit, um zu Hefner zu gehen, um ihr “Taschengeld” zu erhalten, und wenn sie ihn unzufrieden gemacht oder eine Regel gebrochen hatten, drohte er, ihre Zahlung zurückzuhalten. Madison schreibt:

Wir alle hassten diesen Prozess. Hef würde immer die Gelegenheit nutzen, um irgendetwas anzusprechen, womit er in der Beziehung nicht zufrieden war. Die meisten Beschwerden betrafen den Mangel an Harmonie unter den Freundinnen – oder deine mangelnde sexuelle Teilnahme an den Partys, die er in seinem Schlafzimmer abhielt.

Wenn wir aus irgendeinem Grund außerhalb der Stadt gewesen waren und eine der offiziellen “Ausgeh”-Nächte verpasst hätten [bei denen Hefner seine Mädchen gerne in Nachtclubs zur Schau stellte], würde er uns das Taschengeld nicht geben wollen.
Er benutzte das als Waffe.

Madison wurde während ihrer Jahre in der Villa schwer depressiv, nachdem ihr klar wurde, dass die Sicherheitstore dort waren, um sie eingesperrt zu halten, und sie dachte, dass Selbstmord vielleicht ihr einziger Ausweg sein würde. Zwei andere Mädchen, die Zeit in der Mansion verbrachten, waren deutlich: Es war “wie im Gefängnis zu sein”.

Hefner war also ein Täter häuslichen Missbrauchs. Das ist der Begriff, den wir für diese Art von Person haben. Welche Art von Person verhängt eine Ausgangssperre für ihre “Partnerin” und schließt sie in einer Villa ein, diktiert ihre Kleidung, reguliert ihre persönlichen Interaktionen und züchtigt sie für den Bruch seiner “Regeln”? Das ist tyrannisch und schreckenerregend.

Wenn Sie heute die Nachrufe für Hefner lesen, werden Sie jedoch nicht wirklich einen vollen Eindruck von dem Mann bekommen, den der Boston Globe als “den Pfeife rauchenden, Pepsi‐saufenden Gründer des Playboy Magazins” beschreibt, “dessen heiter laszive Vision des guten Lebens ihn zu einem Gründungsvater der sexuellen Revolution machte.” Die BBC beginnt:

Hugh Hefner schuf eine Fantasiewelt für Millionen von Männern, aber im Gegensatz zu den meisten seiner Leser durfte er diesen Traum auch wirklich leben. Er erschloss erfolgreich eine neue Generation von Amerikanern, die im Boom der 1950er und 1960er Jahre einen steigenden Lebensstandard genossen.

Als politischer Aktivist und Philanthrop produzierte er nicht nur eine Zeitschrift, sondern einen ganzen Lebensstil. Und in Playboys berühmtem Fliege‐tragendem Kaninchen setzte er eine der bekanntesten Marken des 20. Jahrhunderts in Gang.

Die Washington Post sagt uns:

Mehr als jeder andere hat Hugh Hefner die Welt für Sex begeistert. Als visionärer Herausgeber, der das Playboy‐Magazin aus schierer Willenskraft und seinen eigenen fiebrigen Träumen schuf, führte er Nacktheit und Sexualität in den kulturellen Mainstream Amerikas und der Welt ein.

Jahrzehntelang verkörperte der zeitlose Mr. Hefner den “Playboy‐Lebensstil”, als der Pyjama‐gekleidete Schlemmer, der von seinem Bett aus arbeitete, üppige Partys veranstaltete und die Playboy Mansion mit einer ständig wandelnden Schar wohlgeformter junger Schönheiten bewohnte.

Und die New York Times :

Hefner der Mann und Playboy die Marke waren untrennbar. Beide beworben sich selbst als Embleme der sexuellen Revolution, als Flucht vor amerikanischer Hochnäsigkeit und weiterreichender sozialer Intoleranz. Beide wurden im Laufe der Jahre verlacht – als vulgär, als jugendlich, als ausbeuterisch und schließlich als anachronistisch.

Aber Mr. Hefner war ein erstaunlicher Erfolg seit seines Auftauchens in den frühen 1950er Jahren. Sein Timing war perfekt. Er wurde mit Jay Gatsby, Citizen Kane und Walt Disney verglichen, aber Mr. Hefner war seine eigene Produktion. Er verglich sein Leben viele Male mit einem romantischen Film, welcher einen zeitlosen Mann von Welt zeige, in Seidenpyjamas und im Smoking, der eine endlose Party für berühmte und faszinierende Leute veranstaltete.

Eine der bemerkenswertesten Tendenzen der amerikanischen Medien ist ihre Fähigkeit, die Missetaten wirklich schrecklicher Menschen als makellos darzustellen, sei es die New York Times, die darüber spricht, was Henry Kissinger zum Mittagessen im Four Seasons trägt oder der New Yorker, der von George W. Bushs Gemälden schwärmt, ohne die Tatsache zu erwähnen, dass 500.000 Iraker in einem von ihm begonnenen Krieg starben. Mehrere Frauen haben gesagt, dass Hugh Hefner sie im Wesentlichen in seinem Haus einsperrte und Sex von ihnen verlangte. Holly Madison sagt, sie hätte sich wegen dieser Behandlung durch ihn fast selbst getötet. Anscheinend macht ihn das jedoch nur zur “Verkörperung des Playboy‐Lifestyles”.

Natürlich werden auch die “Kontroversen” über Hefner erwähnt. Hier ist die New York Times:

Herr Hefner wurde zuerst von den Hütern der sozialen Ordnung der fünfziger Jahre – darunter J. Edgar Hoover – und später von Feministinnen geschmäht. Aber die Auflage des Playboys erreichte 1960 eine Million und erreichte in den siebziger Jahren einen Höchststand von etwa sieben Millionen.

Sehen Sie sich diese bemerkenswerte Passage an. Feministische Kritik an Playboy, die sich auf genau die ekelhafte Behandlung von Frauen konzentriert, die Hefner selbst praktizierte, wird mit den Verfolgungen von J. Edgar Hoover zusammengeworfen. “Sicher, Spaßbremsen wie die Feminazis und Hoover waren hinter ihnen her, aber ihre Auflagenhöhe war unglaublich.”

Die feministische Kritik am Playboy traf schon immer offensichtlich zu. Hefner reduzierte Frauen buchstäblich auf kleine Häschen, die gänzlich nur dazu existierten, um seinen Penis zu lutschen. Natürlich gibt es in den Nachrufen viele Erwähnungen von Hefners “betont intellektuellen” Bestrebungen. In seinen Worten: “Wir genießen es, Cocktails zu mischen und dazu ein oder zwei Hors d’oeuvre, ein wenig Stimmungsmusik aufzulegen und eine weibliche Bekanntschaft zu einer leisen Unterhaltung über Picasso, Nietzsche, Jazz, und Sex einzuladen.” Aber es war immer klar, dass die intellektuelle Seite des Playboy ausschließlich Männern vorbehalten war: Er weigerte sich, mit irgendeiner seiner Freundinnen Politik oder Literatur zu diskutieren. Sie waren dafür da, dass er mit ihnen freudlosen, ungeschützten Sex haben konnte, wann immer er wollte.

Hefners Playboy widmete sich der Zerstörung der Idee, dass Frauen Menschen sind. Wie die New York Times zitiert, verlangte Hefner von seine Autoren, es auf den Seiten des Magazins auf Feminismus abzusehen:

Diese Weiber sind unser natürlicher Feind. Was ich will, ist ein vernichtendes Schriftstück, das die militanten Feministinnen auseinandernimmt. Sie sind unwiederbringlich gegen die romantische Boy‐Girl‐Gesellschaft, die der Playboy fördert.”

Diese “romantische Jungen‐Mädchen‐Gesellschaft” war der “Traum”, von dem Hefner oft sagte, dass er ihn lebe. Es war wenig mehr als der Traum, im Bademantel Frauen zu unter‐drücken.

Die Welt des Playboy war eine zutiefst traurige. Auf Fotos sieht Hefner nie besonders glücklich aus, und er war ein Einsiedler, der nicht einmal die reichlichen Mengen an Sex zu genießen schien, die er hatte. (“Es war null Intimität involviert… Kein Küssen, gar nichts.”) Hefners Fantasie‐Lifestyle war in jeder Hinsicht unmenschlich. Es war Sex als etwas Mechanisches und Lebloses; etwas, das man tat, weil es das Ding war, das dich zu einem Playboy machte, nicht wegen wirklicher Leidenschaft. Das ist das dunkle Geheimnis über Hefner: Er war nicht einmal ein Hedonist. Ein Hedonist sucht Vergnügen. Hefner kümmerte sich nicht einmal um Vergnügen. Er kümmerte sich um die Zähmung und Unterwerfung von Frauen.

In der Hefner‐Geschichte findet sich außerdem eine wichtige Kritik der libertären Moral Hefner war ein Verfechter der Freiheit von jeglicher staatlicher Einschränkung, ein Verfechter des Ersten Verfassungszusatzes [Redefreiheit] und Abtreibungsrechte (wie jeder Nachruf wiederholt erinnert hat). Er war ein „leidenschaftlicher Libertärer.” Hefner glaubte auch, dass er dabei war, die amerikanische Moral zu verändern, und sagte: “Worauf es hier wirklich ankommt, ist der Versuch, zu etablieren, was eine neue Moral genannt worden ist… denke das ist es wirklich, was diese ‘amerikanische sexuelle Revolution’ wirklich bedeutet.” (Dies ist der charmanten Zusammenstellung von Hefners „Denkwürdigsten Interview‐Momenten“ der NYT entnommen.)

Hier sehen wir genau, was passiert, wenn “Freiheit” an sich als eine moralische Philosophie betrachtet wird. Wie viele Libertäre wollte Hefner frei sein, aber er wollte nur von der Regierungstyrannei frei sein, damit er eine Art von unverantwortlicher privater Tyrannei ausüben konnte. Wie immer beim Libertarismus scheint “die Freiheit, ein Arschloch zu sein” das Ziel zu sein. Er wollte eine “neue Moral” schaffen, die ihn einfach so mit Frauen umgehen lassen würde, wie es ihm gefiel, ohne ethische Zwänge. “Freiheit”, zwar essentiell, ist bedeutungslos, es sei denn, sie ist auch mit einer Reihe von Standards verbunden, wie sich Menschen tatsächlich miteinander verhalten sollen.

Ich zelebriere nicht wirklich Hugh Hefners Tod. Es ist traurig, wenn Menschen sterben. Mit “Auf Nimmerwiedersehen” meine ich nicht, dass ich persönlich Freude an seinem Tod habe, sondern dass die Welt besser wird, wenn sie sich von Hefners Werten befreit. Und da Hefner selbst bis zu seinen letzten Tagen ein Fürsprecher dieser Werte war, sind wir ohne ihn besser dran.

(Ich fühlte mich genauso, als Antonin Scalia starb. Ich wollte nicht, dass er starb; ich hätte es vorgezogen, dass er am Leben geblieben wäre und einfach seine schrecklichen Überzeugungen aufgegeben hätte und ein guter Mensch geworden wäre. Aber er tat es nie, also mussten wir uns mit seinem Tod begnügen.)