Bewerbungsstrategie-Basics

Im Masterstudiengang Design nehme ich an einem Kurs in Business English teil. Neben britischem Englisch wird gelehrt, wie man in Business-Korrespondenz höflich und formell korrekt kommuniziert.

Dort geht es auch ums Bewerben auf Arbeitsstellen. Wir lernen, dabei die richtige Sprache zu verwenden: Wie drücke ich mich am besten aus, um etablierten formellen Standards zu entsprechen?

Aber gute Wortwahl und eine gerade Haltung reichen nicht aus, wenn ich inhaltlich das Falsche sage. Mir fehlte es noch an Strategie im Inhalt: Was sage ich, um zu überzeugen? Was wäre psychologisch betrachtet die klügste Herangehensweise an Bewerbungen?

Hier ist das Beste, das ich bisher zusammentragen konnte. Sicher kommt mehr hinzu, ich freue mich über Vorschläge.

1. Dem Lebenslauf sollte früherer Output vorausgehen

Der Lebenslauf ist nicht das wichtigste oder einzige Werkzeug, wenn es um deine Suche nach Arbeit geht.

Es ist sehr viel wichtiger, deine Kreationen schon lange vorher in die Öffentlichkeit zu tragen, damit der lebende Beweis dafür erbracht wird, dass man irgendwo, auf irgendetwas, Einfluss gehabt hat. Eine Website, die gleichzeitig dein Design-Portfolio ist. Eine überzeugende wissenschaftliche Arbeit, die du veröffentlicht hast. Essays, die du zu nützlichen Konzepten aus deiner Arbeit veröffentlicht hast und die deine Reflexionen darüber enthalten. Hilfreiche YouTube-Videos, die du veröffentlicht hast und die sich einem einzigartigen Problem widmen, bei dessen Lösung du anderen hilfst. Praktischer Nutzen und möglichst große Verständlichkeit sind dabei zwei Ziele, die man anstreben könnte.

Wenn du dich dann irgendwo bewirbst, ist dein Lebenslauf eher eine Einführung oder ein Überblick über dich, und du kannst darin auf die reichhaltige Liste deiner bisherigen Leistungen und Nachweise deiner Erfolge verweisen.

2. Liste deine Ergebnisse auf, nicht nur deine bisherigen Verantwortlichkeiten

Es kann verlockend sein, bei der Erstellung eines Lebenslaufs einfach alle seine Verantwortlichkeiten und Aufgaben aus früheren Rollen aufzulisten. Das ist aber kein Lebenslauf, sondern eine Stellenausschreibung.

Hier ist das Problem: Nur weil man für etwas verantwortlich war, heißt das nicht, dass man gut darin war.

Anstatt einer endlosen Liste von Verantwortlichkeiten musst du zeigen, was du getan hast.

3. Präsentiere deine Leistungen mit ihrem Kontext

Quantitative Ergebnisse zu zeigen (Arbeit an €-Budget-Projekten, Steigerung des User-Engagements oder der Impressions um X%…) ist ein guter Anfang, aber selbst das kann zu kurz greifen. Du musst deine Leistungen im Zusammenhang mit den Zielen angeben, die du hattest. Stell dir vor, wie irreführend es wäre, wenn du schreibst, dass du etwas erreicht hast, das gut klingt, aber nicht erwähnst, dass du eigentlich mehr als das hättest erreichen sollen.

Der beste Weg zu zeigen, was du getan hast, ist eine Liste mit den spezifischen Dingen, auf die du am stolzesten bist – nicht die Dinge, die nur auf dem Papier gut klingen. Dann beschreibe einfach in klaren Worten, was du getan hast und welche positiven Auswirkungen es hatte.

4. Falle auf, indem du Buzzword-frei, klar und verständlich schreibst

Anstatt sich als “ergebnisorientierter und innovativer Teamplayer” zu bezeichnen, nimm lieber etwas Unkompliziertes wie “Ich arbeite am besten in kleinen Teams, die von Managern geführt werden, die Eigenständigkeit zulassen”.

Kurz gesagt, wenn du ein Wort im Vorstellungsgespräch nicht benutzen würdest, dann benutze es auch nicht in deinem Lebenslauf.

5. Show, don’t tell.

Viele Leute sagen in ihren Bewerbungen oft “Ich bin gut in X”. Du kommst aber nicht dazu, zu behaupten, dass du gut in irgendwas bist, zumindest nicht in deinem Lebenslauf. Warum solltest du das beurteilen dürfe? Du bist dabei die voreingenommenste Person. Deine unbelegte Meinung zu hören, ist uninteressant. Stelle keine Behauptungen auf. Zeige stattdessen die Beweise, also deine Leistungen. Jeder, der sie liest, wird dann selbst feststellen, dass du gut bist.

Das bedeutet nicht, dass du dich selbst herunterspielen sollst. Du musst nur unterscheiden zwischen deiner Meinung über dich selbst und den Fakten, die die Grundlage für ein Urteil über dich sind. Präsentiere nicht deine Meinung “Ich bin gut”, sondern mache sachliche Aussagen, die dir die Arbeit abnehmen, dich hochzuspielen, so dass der Leser für sich selbst zu dem Schluss kommen kann, “diese Person ist gut”, anstatt sich über deine eigene hohe Meinung von dir zu ärgern.

6. Passe deinen Lebenslauf für jede Bewerbung an

Es ist verlockend, eine Standardversion deines Lebenslaufs zu verwenden, um dich für hunderte von Stellenangeboten gleichzeitig zu bewerben. Das fühlt sich effizient an. Man hat schnell das Gefühl, etwas erreicht zu haben.

Und dann… passiert nichts.

Es ist viel wahrscheinlicher, dass du einen Job bekommst, wenn du einen ganzen Tag (oder mehr) damit verbringst, dich auf einen einzigen Job vorzubereiten und dich auf ihn zu bewerben. Dazu gehört es, das Unternehmen zu recherchieren, zu sehen, ob du Verbindungen (LinkedIn, Xing oder anderweitig) hast, die dich mit Leuten innerhalb des Unternehmens in Kontakt bringen können, und einen Lebenslauf speziell für diese Ausschreibung vorzubereiten. Dein Lebenslauf erzählt eine Geschichte über dich, also musst du auch versuchen zu erkennen, welche Story die offene Stelle zu erzählen versucht, welches Bild sie malt, und deine Erzählung dann entsprechend anpassen.

All das ist nicht schwer!

Frage mal jemanden, der im Recruiting oder in der Personalabteilung arbeitet, und du wirst hören: Die meisten Lebensläufe sind Müll. Es braucht nicht viel, um herauszustechen.